I, Malvolio

Tim Crouch
I, Malvolio
(I, Malvolio)
Monolog
1 H, 1 Dek
“I’ll be revenged on the whole pack of you!” Mit diesem Satz verlässt Malvolio am Ende von Shakespeares „Was ihr wollt“ gedemütigt die Bühne. Und was passiert dann?

“I am not mad”, beteuert Malvolio nun in Tim Crouchs Monolog. Immer wieder und immer wieder. Er will sich nicht verrückt nennen lassen. Nicht in einer Welt, in der eine junge Frau sich als ihr eigener Zwillingsbruder verkleidet, sich dann in den Herzog verliebt und denselben Herzog am Ende auch noch heiratet. Nicht in einer Welt, in der sich seine Herrin, die Gräfin Olivia, in die als Mann verkleidete Frau verliebt und dann versehentlich ihren Zwillingsbruder heiratet.

Dabei hatte er sich selbst solche Hoffnungen auf Olivias Zuneigung gemacht. Und hatte den Beweis in Form eines Briefes schon in der Hand. Dass der Brief eine Fälschung, seine Hoffnung unbegründet und seine Liebe unerwidert sein sollte, das konnte er doch wirklich nicht ahnen.

Malvolio ist sich sicher, er ist das Opfer dieser Geschichte. Reingefallen auf den Streich des miesen Trunkenboldes Toby Belch. Nun gilt Sir Toby als sympathischer Witzbold und Malvolio selbst als reinster Spielverderber. Nur, weil er lieber eine Tasse Kamillentee als ein Glas Wein trinkt. Nur, weil er weiß, dass schon die kleinsten Laster geradewegs zur Sündhaftigkeit führen. Nur, weil er verhindern will, dass ganz Illyrien im Chaos versinkt.

Die Zuschauer bleiben von Malvolios Unmut nicht verschont. Er weiß um all ihre Fehltritte. Er sieht, wie sie sich auch noch in seiner misslichen Lage über ihn lustig machen und verabscheut sie dafür umso mehr. Seine einzige Genugtuung besteht darin, dem Publikum klarzumachen, wie bereitwillig sie über sein Unglück lachen.

Wo Shakespeare aufhört, geht es für Tim Crouch erst richtig los. Geschickt benutzt er die Irrungen und Wirrungen der Komödie, um mit Malvolio die Empathiefähigkeit des Publikums in den Mittelpunkt zu stellen.


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