Mitten durch Jerusalem

Julia Pascal
Mitten durch Jerusalem
(Crossing Jerusalem)
Stück in 7 Szenen
Deutsch von Thomas Huber
3 D, 5 H, Verw - Dek
Hier versagt der sonst so verlässliche Kompass auf der Suche nach dem "richtigen Standpunkt". Richtungslos sucht die deutsche Seele, von den Dämonen des Holocaust und der forschen, linken Anti-Israel-Haltung der Siebziger getrieben, das rettende Ufer. Wer ist hier Opfer? Wer ist Täter? Eine Antwort ist nicht zu finden. Und vielleicht ist eben diese die einzig mögliche. Julia Pascal macht die unentwirrbare Geschichte von Israel und Palästina unter dem Brennspiegel einer Familiengeschichte sinnlich erlebbar. In schnellen Dialogen voller Witz und Lakonie entfächern sich alle Facetten des Konfliktes. Es geht nicht um Recht oder Unrecht, hier werden Erfahrungen und Schicksale Einzelner zur lebendigen Anschauung des Ganzen. Das Politische zeigt sich im Privaten, dem so universelle Gültigkeit zuwächst.

Es ist Yaels dreißigster Geburtstag. Ihr Mann Gideon soll am nächsten Tag als Soldat in die besetzten Gebiete verschickt werden. Wohin genau, das darf er seiner Frau nicht sagen. Yael wünscht sich sehnlichst ein zweites Kind, das ihr Gideon verweigert, weil seine Zweifel um den Sinn seines Einsatzes ihm jede Hoffnung auf die Zukunft genommen haben. Er hat Angst, seine Kinder könnten ohne Vater aufwachsen.

Varda, Gideons Mutter, ist Immobilienmaklerin. Sie besorgt Wohnungen und Häuser für Juden, die nach Israel einwandern wollen. Serge, ihr zweiter Mann ist aus Russland nach Jerusalem gekommen, wo er es nicht geschafft hat, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Seit der letzten Welle von Selbstmordattentaten leben beide voller Angst. Dennoch kann Serge Varda überreden, Yaels Geburtstag in Sammy's Restaurant zu feiern, und sie fahren gemeinsam mit Lee, Gideons Schwester, durch die unsicheren Straßen von Jerusalem. Während des Mittagessens bei Sammy, einem christlichen Araber, kommt es zu einem "Moment of Truth". Yussuf, der Koch, ein Muslim, dessen Bruder Sharif zu den extremen Straßenkämpfern gehört, entpuppt sich als Sohn eines früheren Angestellten Vardas, der nach einem angeblichen Diebstahl entlassen wurde. Yussuf verlangt eine Art Reparation von Varda für das erlittene Unrecht an seinem Vater. Im Streit um diese Forderung brechen die unterschiedlichen Standpunkte innerhalb der Familie auf.

Es kommt wie nebenbei zur Katastrophe, die alle verstummen macht. Sharif zündet eine Bombe in dem Bus, mit dem Gideon zu seinem Einsatz fährt.

Mit Treffsicherheit und Lebenserfahrung zeichnet Julia Pascal ein Bild vom Überleben in der zerrissenen Stadt Jerusalem. Die Geschichte führt uns mitten in eine Welt, die wir nur als Schlagzeile aus den Nachrichten kennen.

THOMAS HUBER, geboren in München, schreibt Prosa, Drehbücher und Theaterstücke. Er hat Eric Bogosians "Notes from Underground" übersetzt und Douglas Maxwells "Helmet". Als Schauspieler war Thomas Huber am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Residenztheater München und am Schauspiel Frankfurt engagiert. Am Arcola Theatre in London spielte er den Wernher von Braun in "Woman in the Moon" von Julia Pascal, und er wirkte in zahlreichen Filmen und in Fernsehserien wie "Der Große Bellheim" und "Der Schattenmann" mit.

Zurück zur Übersicht