Tausend Clowns

Herb Gardner
Tausend Clowns
(A Thousand Clowns)
Komödie in 3 Akten
Deutsch von Bernd Samland
1 D, 4 H, 1 Junge, 1 Dek
Als der nicht mehr ganz so blutjunge Murray Burns die Faxen dicke hatte, schmiß er seinen Job, stieg aus der Tretmühle aus und schrieb kein einziges Wort mehr fürs Fernsehen, genauer gesagt für den selbsternannten König des Kinderprogramms Leo Herman, besser bekannt als Fips der Hamstermann oder auch Fips mit den Chips, da die Show von einem Kartoffelchipshersteller gesponsert wird. Fortan widmete Murray sich nur noch dem süßen New Yorker Leben: Ganze Tage in den Träumen der Broadway-Kinos. Täglich frisches Obst bringt ihm nun jeden Morgen sein älterer Bruder Arnold, der auch sein Agent ist und es im angepassten bürgerlichen Leben sehr weit gebracht hat: zu Karriere und Familie.
Nur hat Murray die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der auch mal wieder pünktlich die Miete sehen will für die gemütliche Junggesellenbude, eine große, chaotische Einzimmerwohnung in einem Brownstone, sprich Altbau, in der Murray haust. Und zwar mit seinem fast 13jährigen aufgeweckten Neffen Nick, dem unehelichen Sohn seiner Schwester, den diese vor Jahren bei ihm geparkt hatte, bevor sie sich auf ihren Selbstfindungstrip rund um den Globus begab.

Nicht nur ohne den Wirt, auch ohne das Jugendamt. Als Nick mal wieder den Niedergang der Hamster-Show beklagt, schneit das Sozialarbeiterteam Albert Amundson und Sandra Markowitz herein, um nach dem Rechten zu sehen; es liegt nämlich eine Akte der Schule über Nicks Verhalten vor. Geordnete Verhältnisse müssen schnellstens her, sonst wird Nick in eine Pflegefamilie gesteckt. Sandra und Albert streiten sich im Psycho- und Soziologenjargon über das richtige Vorgehen. Und es kommt, wie es kommen muß. Während Albert wutentbrannt abdampft, erliegt Sandra dem Charme Nicks und Murrays. Sie will die Idylle retten und Murray hilfreich unter die Arme greifen. Sie leistet tatkräftig Sozialarbeit und bleibt gleich über Nacht bei Murray, dessen Leben sie nun in die Hand zu nehmen gedenkt. Sie schickt ihn auf Jobsuche zu seinem Bruder Arnold und macht sich daran, die Wohnung von Grund auf umzukrempeln: Schöner wohnen statt Junggesellenchaos mit tausend Radios, Hüten und Instrumenten.

Doch so leicht läßt Murray sich nicht domestizieren, schon gar nicht mit neuen Gardinen, Tischdecken und Schonbezügen. Die turbulenten, fast absurden Auseinandersetzungen mit seinem Bruder und dann mit Leo Hamstermann Herman bilden die urkomischen Hindernisse auf dem Weg zum Happy End.

Wie in seinem Theaterstück Ich bin nicht Rappaport erweist sich Herb Gardner schon in seinem ersten Stück als Meister der trockenen Pointe und des szenischen Witzes. Schließlich wird Murray seine blühende Phantasie wieder zum Nutzen aller seiner Mitmenschen anwenden.

Bernd Samland


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