Müllers Kuh Müllers Kinder

Kerstin Hensel
Müllers Kuh Müllers Kinder
Theaterstück in 22 Szenen
4 D, 4 H, Verw - Dek
„Die Zeit ist EWIG alt, und was sich wandelt
Ist nur der laue Traum, darin man handelt“

Dies ist das epischste von Kerstin Hensels Stücken. Das dramatisch vorantreibende Element darin ist die Geschichte selbst. Lau ist der Traum in diesem Stück nicht. Es erzählt in expressiven Bildern, harten Brüchen, wie die DDR-Familie Müller aus der LPG WLADIMIR versucht, sich und ihre Kuh beim Sturz in die neue Gesellschaft anzupassen. Dabei hilft ihnen die Kommherzbanck, alles anzulegen, besonders sich selbst. Während der Vater, Melkermeister Siegismund lernt, aus der Langeweile der Arbeitslosigkeit in die Langeweile der Geldanleger aufzusteigen, die Mutter tüchtig die Gelegenheit erfaßt und als Hauptbuchhalterin bei der Kommherzbank die Geschäfte in die Hand nimmt, verkriecht sich ihr Sohn, der Füllosophie-Student Lu, in ein Erdloch, und ihre Tochter Minna versucht durch Selbstverstümmelung ihre Karriere als Puffmodel voranzutreiben. Als ihre Verwandlung in Pham Thai gelingt, erkennen die Eltern in ihr eine billige Arbeitskraft, sexuell leicht zu befriedigen und nur mit Zimt zu füttern. Die Oma Otti, welche die Familie bisher mit riesigen Erbsmehlklopsen nach dem Kriegskochbuch über Wasser hielt, wird auf dem Weg in die Selbständigkeit abgeschafft und zu ihrem bei Stalingrad gefallenen Conrad von Hötzendorf geschickt. Als die Familie Müller die Ausbeutung ihrer Tochter und ihrer Kuh übertreibt, meldet die Kommherzbank Konkurs an, was in einem totalen Fest mit Talkshow gefeiert wird und mit einem Höllensturz endet. Vater und Mutter erwachen in ihrem leeren Eßzimmer und wollen es sich gemütlich machen und auf die Kinder warten: Die Tochter ist eine Hure geworden. Der Sohn ist blind. Die Familie beschließt die Rückkehr zur Zwangskollektivierung und nimmt die bettelarme Kommherzbanck als Wladimir in das muhende Kollektiv auf.

Doris Tschierschky




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