Hyänen

Kerstin Hensel
Hyänen
Schauspiel in 25 Szenen
2 D, 4 H, Verw - Dek
„Es ist wie ein innerer Drang, so schrecklich sein zu müssen, und doch sehnt man sich nach einem wirklichen Leben.“

Die neunzehnjährige Sekretärin Elly Goldnau folgt dem Geheul der Hyänen, das aus dem entfernten Tierpark dringt. Sie will der Bedrängnis durch die ewig erziehende Mutter, durch den harmoniegeilen Vater und den verklemmten, ewig das Schlachten der Tiere diktierenden Schlachthofdirektorssohn Blaffert entkommen, aus dem Versteck unter der Bettdecke ihres Kinderzimmers auf die Sonnenseite der Gesellschaft gelangen und den Ruhm einer Künstlerin genießen. Der verrückte Penner Zange aus dem Untergrund des U-Bahnschachtes gibt sich als ihr Halbbruder zu erkennen und folgt, ein böser Entertainer, ihrer Spur, bis er selbst den Weg zum Ruhm versucht. Aus den bunten Figuren der Einkaufskataloge leimt Elly triviale Geschichten von Liebe und Glück und nähert sich ihrem Chef mit ihrer Liebe aus den Katalogen. Von einem skrupellosen Verlagsleiter wird sie zum Verkaufsschlager hochgeschossen und schnell wieder fallen gelassen für ein nächstes lohnendes Geschäft. Aber Elly hat die Gier der Männer, die Bewunderung ihrer Eltern, den Rausch des Ruhmes erfahren, ihre Unschuld verloren. Die Hyäne, die nachts ihre Träume beflügelte und tags den Kopf zersprengte, ist erwacht.
Die Figuren des Stücks sind von der Autorin mit grotesken Mitteln beschrieben. Hensels Blick, an Büchner geschult, geht tief und legt innere und äußere Zwänge frei. Auf den Kaufwert reduziert, verblödet, kämpfen alle mit dem Aasfresser in sich. Nur Elly lebt noch „neben der Zeit“. Von oben herab nähert sich Blaffert, der Juniorchef, der Unschuld Elly. Erst sein Versagen vor ihrer Liebeslust weckt seine Leidenschaft, bis er lernt, in ihr einen niedlichen Pudel zu sehen, da stürzt er sich blind vor Trieb auf die falsche Frau und ermordet die Mutter. Im Gefängnis, aller hochfahrenden Hoffnungen beraubt, nimmt sich Elly den Mörder vor und beißt ihm die Zunge ab. „Was für eine grandiose Erfindung, die Freiheit, im Nichts das Nichts zu betreiben.“

Doris Tschierschky



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