Ein anderer Teil des Waldes

Lillian Hellman
Ein anderer Teil des Waldes
(Another Part of the Forest)
Stück in 3 Akten
Deutsch von Bernd Samland
5 D, 7 H, 1 Dek
Die Zeit: 1880, fünfzehn Jahre nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, vom Norden Sezessionskrieg, vom Süden Krieg zwischen den Staaten genannt. Zwanzig Jahre, bevor Regina Giddens in "Die kleinen Füchse "mit dem Tod ihres Mannes Horace den großen Coup landet und sich an ihren Brüdern Ben und Oscar rächt. Und absahnt.

Der Ort: irgendwo in Alabama, Aufschwung Süd. Drei Tage im Haus der Familie Hubbard: der reiche Geschäftsmann Marcus Hubbard, seine fromme Frau Lavinia, die beiden Söhne Benjamin und Oscar und die von ihrem Vater abgöttisch geliebte Tochter Regina.

Der Zerfall einer Familie: Lavinia will schon lange ihren Mann verlassen, den sie nicht mehr liebt, und eine Schule für "Neger" gründen; Regina ist in den ehemaligen Südstaaten-Offizier John Bagtry verliebt, mit dem sie Alabama verlassen möchte; Oscar will sich dem Vaterjoch entziehen und mit seiner Geliebten Laurette nach New Orleans gehen; Ben will sich geschäftlich selbständig machen. Marcus hat für seine Sprößlinge, die er für Versager hält, nur Verachtung übrig.

Doch als Ben von seiner Mutter erfährt, was alle immer geahnt haben, wie Marcus im Krieg sein Vermögen gemacht hat, nämlich durch zweifelhafte Geschäfte mit dem Feind, nimmt er das Heft in die Hand. Er erpreßt seinen Vater, nimmt ihm das Geschäft ab und schwingt sich zum neuen Oberhaupt der Familie auf. Lavinia darf endlich ihren Mann verlassen; Oscar muß Birdie Bagtry heiraten, die verarmte Plantagenbesitzerin; Regina muß sich von ihrem Südstaaten-Galan, Birdies Cousin, trennen und den ehrenwerten Horace Giddens heiraten, der nichts von dem anrüchigen Verhältnis Reginas weiß. Die Saat des Bösen geht auf. Das Familienimperium ist wiederhergestellt: durch Zwangsvereinigungen.

"Ein anderer Teil des Waldes", 1946 – sieben Jahre nach "Die kleinen Füchse" – in der Regie von Lillian Hellman in New York uraufgeführt, analysiert die Vorgeschichte der drei Geschwister Hubbard. Der Titel bezieht sich auf eine in Shakespeares Stücken häufig auftauchende Regieanweisung ("Wie es euch gefällt", 2. Akt, 5. Szene, oder "Titus Andronicus", 2. Akt, 4. Szene). In ihrer dramatischen Analyse wird deutlich, was die Familienbande zusammenhält: die Gier nach Geld, die vor keinem Verbrechen zurückschreckt und alle menschlichen Gefühle determiniert. Eingebettet in die wirtschaftliche und politische Situation der immer noch Nachkriegs-Südstaaten, entsteht in diesem Stück ein Bild der amerikanischen Gründerjahre, das als politisches und psychologisches Drama durchaus seine Gültigkeit fürs Hier und Jetzt erweist. Die Übersetzung folgt dem definitiven Text der "Collected Plays."

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