Die Nase des Rauchers

Thomas Maul
Die Nase des Rauchers
Stück in 4 Szenen
1 D, 3 H, St, 1 Dek
Ein schwüler Sommertag, irgendwo in einem begrünten Hinterhof Neuköllns oder eines ähnlichen „Problembezirks“. Hier begegnen sich vier Nachbarn – sonderbare Figuren: ein Raucher, ein Zeitungsleser, eine Friseuse und ein Fotograf. Es herrscht ein bestialischer Gestank, der Gestank einer Welt, die den Nachbarn fremd geworden ist. Sie wollen etwas ändern an ihrem stetig ins Off laufenden Leben, doch dafür müssten sie tätig werden, dem Gestank nachgehen und ihn an seinem Entstehungsort beseitigen.

Doch ist es gar nicht so leicht, einen Blick über den Gartenzaun hinaus zu werfen. Lieber raucht der Raucher, liest der Zeitungsleser, schnippelt die Friseuse und knipst der Fotograf. So eingeschlossen in den Idiosynkrasien der eigenen kleinen Welt, wie es die vier Nachbarn sind, wird allein schon der bloße Kommunikationsversuch zum Abenteuer – ganz zu schweigen von dem Vorhaben, die Welt von ihrem entsetzlichen Gestank zu befreien…

Lakonisch im Ton und mit bitterböser Komik führt Thomas Maul seine stets höflichen Figuren hinein in den Konflikt zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Veränderungswillen und Trägheit, der sich schließlich in wildem Aktionismus entlädt und dabei Opfer fordert. Weil die vier Nachbarn nicht aus ihrer Haut können, fahren sie aus der Haut. Wie wenn Loriot auf Beckett träfe.


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