Endgeil

Gert Heidenreich
Endgeil
Stück in 3 Akten
3 H, 1 Dek
Plötzlich, eines Nachmittags, steht "Mick Stemmer", ein Schüler von knapp siebzehn Jahren, im Arbeitszimmer seines Großvaters, des freien Publizisten "Georg Stemmer", Sechzig; dessen Sohn und Schwiegertochter, die Eltern des jungen Mick, wollen angeblich ohne Kind Urlaub machen. In Mick und Georg treffen zwei Lebensweisen und –ansichten aufeinander, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Der Großvater: ein 68er, dem Bücher und Philosophie lebenswichtig sind; der Enkel: ein Kind der Spaß- und Geldgesellschaft, der in der Welt aus Fernsehen und Computerspielen groß geworden ist und von Literatur so wenig Ahnung hat wie von Geschichte und Politik. Gleichwohl ist er gedanklich schnell und weiß sich mit dem Witz und der Lakonik seiner Jugendsprache intelligent zur Wehr zu setzen. Als beide Generationen – gemeinhin heißt es ja, Großväter und Enkel verstünden einander gut – begreifen, dass sie für längere Zeit miteinander auskommen müssen, beginnt ein zunächst spielerisch, dann ernst, schließlich hoch aggressiv ausgetragener Kampf um Autorität und Widerstand.


Ein versöhnlicher, gleichwohl brüchiger Schluß läßt ahnen, dass Mick und sein Großvater Georg lernen werden, miteinander auszukommen – wenn beide ihre Lebensvorstellungen und –haltungen in Frage stellen können.









Aus Micks Rap Song – Dritter Akt:



"Mann, wart ihr gut

und mutig auf der Straße.

Da floß das Blut

der 68er-Klasse!

Ihr wart so geil, da

stinken wir ab,

wir sinken als schlappe

Schwänze ins Grab...




Denn das Gute bewährt sich,

und schlecht Sein rächt sich,

darum lieben wir die Opas von 68!




Deshalb habt ihr ja

endgeil revoluzzt!

Aber wir ham den Bossen

die Schuhe geputzt!

Wir sind so blöd,

ihr wißt so viel!

Ihr seid radikal!

Wir haben kein Ziel..."



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