Bobby Gould in der Hölle

David Mamet
Bobby Gould in der Hölle
(Bobby Gould in Hell)
Stück in einem Akt
Deutsch von Bernd Samland
1 D, 3 H, 1 Dek
Jemand mußte Bobby Gould verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens zur Hölle geschickt. Da sitzt er nun, wenn der Vorhang aufgeht, mit dem Assistenten des Mannes, der ihn zu verhören und über ihn zu richten hat. Nach zwei Zeilen Wortwechsel zwischen Bobby und dem Assistenten erscheint dieser Mann auch gleich: in hohen Gummistiefeln und mit einer Angelausrüstung gibt er sich als jemand zu erkennen, den die höllische Pflicht vom Angelausflug hergerufen hat. Da sein Auftritt sich unter Blitz und Donner vollzieht, ist klar: der Mann ist ein Teufel. Er eröffnet das Verfahren gegen Bobby Gould, David Mamets amerikanischen Jedermann, den Durchschnitts-Macho.


Der Prozeß als Satyrspiel endet nicht mit dem Tode, sondern mit der Begnadigung: mit der Verurteilung zum Erdenleben.


Erst einmal steht aber zur Debatte: war Bob ein "schlechter Mann"? Wollte er wirklich seiner Freundin Glenna "einen Toaster in den Arsch stecken"? Das Buch, aus dem der Assistent seinem Meister ständig soufflieren muß, bestätigt die Vorwürfe. Doch dann wird Glenna in die Hölle gerufen, zeugt weiblich gegen Bob und entpuppt sich als Frau, die selbst nicht ohne Fehl ist und der kein Mann es recht machen kann. Selbst der Frageteufel fühlt sich überfordert und hat nur noch einen Wunsch: raus mit ihr.


Bei allem Jux der Dialoge kreist Mamets Stück um die Fragen: kann man als Mensch leben, ohne schuldig an anderen Menschen, sprich Frauen, zu werden? Wie "gut" kann man, wie "schlecht" darf der Mensch sein? Wie "gut" muß er sein, damit ihm seine "Schlechtigkeit" vergeben werde?


Bob wird vergeben, er darf auf die Erde zurück. Aber Antworten hat ihm der Frageteufel im Jenseits nicht mitgegeben für seinen weiteren Lebensweg. Jedermann bleibt mit seinen Fragen allein auf Erden. Und auf seine einzige Sicherheit im Leben, daß nichts auf der Welt schwarz-weiß sei, bekommt Bobby die Frage zu hören: "Und was ist mit dem Zebra?"


Eben. Der Vorhang zu ... und so komisch wie Kafka und so scharf wie Philip Roth.


 



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