Die Drei Vögel

Joanna Laurens
Die Drei Vögel
(The Three Birds)
2 Akte, Prolog und Epilog
Deutsche Fassung von Kerstin Hensel
2 D, 2 H, 1 K, Chorus, Verw - Dek
Philomela, Tochter des Königs Pandion von Athen, wird von Tereus, dem Mann ihrer Schwester Procne, begehrt, geliebt, aufgesucht und schließlich vergewaltigt. Er schneidet Procne die Zunge ab, damit sie die Tat nicht berichten kann. Philomela, der Sprache beraubt, webt ihr Schicksal in ein Tuch, das zu ihrer Schwester gelangt. So erfährt Procne von Tereus‘ Tat. Die Schwestern rächen sich, indem sie Procnes Sohn von Tereus, Itys, töten und Tereus als Mahl vorsetzen. Von Tereus deshalb verfolgt, wird Philomela in einen Spatz, Procne in eine Nachtigall und Tereus in einen Wiedehopf verwandelt.

Joanna Laurens‘ Stück ist in Anlehnung an den griechischen Mythos von Tereus und Philomela sowie an Sophokles‘ letztes Drama Tereus entstanden. Es handelt von den großen Themen Macht, Liebe, Eifersucht und Haß, gleichsam zeitlos wie zeitgemäß.
Die Autorin unterläuft in ihrem Stück die statisch vorgegebenen Charakter-konstellationen von Gut und Böse. In Art der Ovid'schen Metamorphosen erfahren die Figuren Verwandlungen und Überlagerungen. Charakterliches, Körperliches, Sprachliches gehen im Verlauf der Handlung ineinander über und bedingen sich wechselseitig.

Joanna Laurens verwendet eine poetische und suggestive Sprache mit scharfen, alltagssprachlichen Kontradiktionen. Antikisierend, jedoch ohne im antiken Maß gefangen zu sein, webt sie versähnliche Vergleiche und Metaphern zu einem stückübergreifenden Lautteppich. In detaillierten rhythmisch-inszenatorischen Vorgaben beschwört sie ein sprachspielerisches Stimmen- und Zungenstück. Der musikalische Drive erweckt die Vorstellung moderner Klang- und Körper-Spektakel.


P R O L O G


"Dunkel. Auftritt CHORUS. Pause, bis Stille und Erwartung zu spüren sind. Das Folgende wird in völliger Dunkelheit gesprochen."

CHORUS


Dazu bin ich erschaffen, hinwegzusingen über notgedrungene Lügen,
(sichelhaft, mondhaft)
Vergossen soll ich werden in die Lilien,
(sichelhaft, mondhaft).


Solche wie uns werden sie nicht begreifen
hier
hier
hier
oder da
Sie werden nicht die Purpurpracht aus unseren Stimmen reißen
stürmend sprechen wir ihr wirres Innen aus.


Laßt sie Roßfleisch schlagen, daß sie rasen können.
Wir werden in den hohlen Bäumen warten.
Herausschrei'n werd ich euch und dem Wind
Mich beugen und Zitronentränen heulen.


Dazu bin ich erschaffen, hinwegzusingen über notgedrungene
Lügen,
(sichelhaft, mondhaft)
Vergossen soll ich werden in die Lilien
(sichelhaft, mondhaft).


"CHORUS ab"


"Ende des Prologs"





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