Die Kybernetische Braut

Lotte Ingrisch
Die Kybernetische Braut
Eine Weltenkomödie in 5 Aufzügen
5 D, 4 H, 2 Dek
Eine schöne neue Maschinenwelt bricht an, das digitale Zeitalter erreicht das Wiener Märchenland. Dort will Zauberer Atomitsch von Magie auf Wissenschaft umrüsten und verpfändet deshalb Zauberstab und Zauberbuch im Tausch gegen Transistoren, Satelliten und Zyklotronen. Die Medienrevolution hat gerade erst begonnen, da wird Atomitsch schon von promethischem Eifer erfasst. Denn durch die Automatisierung der Wunder erscheint die Austreibung Gottes zum Greifen nah: Himmelfahrt gibt’s mit Atomantrieb, Seligkeit wird chemisch hergestellt, Unsterblichkeit genetisch, und Gott selbst wird eine allwissende Maschine, der Computer Ohuwu.

Doch zuvor müssen noch alle Reste archaischen Götterglaubens in den Menschen gelöscht werden, wozu sich Atomitsch per Teufelspakt des Kasperls Sibiwiwi bedient. Der ist unglücklich verliebt in Pfandleiher-Tochter Mefferl, die allerdings nur Augen für den schönen Engel Seraphim hat. Wie es überhaupt Frauen sind, die stur festhalten am alten Dämonenglauben, an Geheimnis, Spontaneität, Liebe und derlei Antiquitäten. Die neue Stufe der Evolution soll daher geschlechtslos sein, eine endgültige Emanzipation von der Natur. Wozu das Kasperl erst mit einer Rakete ins All geschossen wird, um dort dem Engel die Flügel auszureißen, und sich schließlich vermählen muss mit dem Superrechner Ohuwu, der kybernetischen Mutter einer neuen Generation von Mensch-Maschinen-Hybriden…

Kasperle trifft Stephen Hawking, das technische Zeitalter bricht in die Welt der Feen und Geister ein – Lotte Ingrisch beweist mit „Die Kybernetische Braut“, dass es nur ein wenig Relativitätstheorie braucht, um das Theater in ein Wurmloch zu verwandeln, das die verschiedenen Raumzeiten im Multiversum spielend verbindet. Das Ergebnis ist eine bitter-komische Dystopie, in der Aufklärung schlagartig in ihr Gegenteil umschlägt – den Götzendienst an der Maschine – und die Menschheit fröhlich ihrem Untergang entgegentorkelt. Denn die Maschine braucht ihren Erschaffer schon lange nicht mehr…

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