The Fugitive Kind

Tennessee Williams
The Fugitive Kind
Stück in 8 Szenen
4 D, 17 H, St, 1 Dek
„Okay Beds“, ein Obdachlosenheim in der Großstadt, zur Weihnachtszeit. Hier versammeln sich die Ausgestoßenen und Wurzellosen, die irrlichternden Geister und Streuner. Wie Texas, der mit seiner Gitarre durchs Land tingelt. Oder Carl, der mit dem Schweden Olson weiter nach New Orleans will – wäre da nicht sein Bluthusten. Oder Abel und Jabe: der eine ein Verrückter, der manisch mit Streichhölzern zündelt, der andere ein aalglatter Opportunist, der Neuigkeiten gerne brühwarm der Polizei steckt. Auch Chuck gehört dazu, der sehnsüchtig auf den Schnee wartet – mit dem Geld fürs Schippen finanziert er sich den Besuch bei Bertha, der Prostituierten.

Nur Terry passt nicht ganz in die Runde. Sein Bett hat er mit einem Hundert-Dollar-Schein bezahlt, außerdem besitzt er eine Waffe. Doch Glory, die hübsche Tochter des Heimbesitzers, kommt hinter sein Geheimnis: Terry wird nach einem Banküberfall landesweit von der Polizei gesucht. Glory fühlt sich hingezogen zu Terry, zu seiner Abgründigkeit, seinem anarchischen Wesen. Er ähnelt Leo, ihrem großen Bruder, der wegen einiger kritischer Artikel vom College geflogen ist und sich nun dem väterlich-kapitalistischen System zu entziehen versucht. Auch für Glory bietet sich die Chance zur Flucht: Terry will aussteigen mit ihr, das Geld reicht bis Acapulco. Doch die Zeit drängt, das FBI zieht immer engere Kreise um das Heim…

„The Fugitive Kind“, 1937 geschrieben, als Tennessee Williams noch Thomas Lanier Williams hieß, ist ein Stück wie ein Gangsterfilm: hart, schnell, spannend. Es hat den Rhythmus der 30er in sich aufgenommen, der Zeit der großen Verbrecher und Outlaws, von John Dillinger, Al Capone, Bonnie und Clyde. In diesem Stück sind alle eine Art Flüchtling – flüchtig vor dem Gesetz, der Gesellschaft, der Mafia oder schlicht vor sich selbst. Eindeutig war Williams von Anfang an ein eminent politischer Autor: „The Fugitive Kind“ stellt mit aller Vehemenz die Frage nach der Freiheit, nach einem Zufluchtsort im allgegenwärtigen Kapitalismus, in dem selbst der Mob organisiert ist wie ein Großunternehmen.


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