Every Twenty Minutes

Tennessee Williams
Every Twenty Minutes
Kurzstück
1 D, 1 H, 1 Dek
Es heißt, alle zwanzig Minuten bringt sich in Amerika jemand um. Während jedoch sie, die Frau, bestürzt ist über diese Statistik, hat er, ihr Mann, überhaupt kein Problem damit – wenn man bedenkt, dass es auf der Welt sowieso viel zu voll ist. Und schon ist es soweit: Kaum von einer Party zurückgekehrt, in den frühen Morgenstunden, beide sind angetrunken, kommt es zum bösen Streit über Grundfragen der Weltanschauung. Sie hält ihn für einen Zyniker, er sie für gefühlsduselig.

Die Sache eskaliert, als sich herausstellt, dass sich seine Gefühlskälte nicht nur gegen die Weltbevölkerung richtet, sondern auch gegen sie, seine Frau. Erst gibt er zu, dass seine Liebesschwüre immer schon eine Lüge waren und dann, dass er sich für nichts anderes interessiert als für seinen Whisky und sich selbst. Während seine Frau – für ihn ein „hoffnungsloser Anachronismus“ – noch verzweifelt nach etwas in ihrem Leben sucht, das echt ist, sieht er für sie im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: einen Liebhaber oder den Suizid.

„The peak of my virtuosity was in the one-act plays“, sagt Tennessee Williams, „some of which are like firecrackers in a rope.“ Auch „Every Twenty Minutes”, ein Stück von circa 20 Minuten Länge, lässt es kurz, aber dafür kräftig krachen. Was als scheinbar harmloses Beziehungsspiel beginnt, steigert sich in Windeseile zur maliziösen Satire über ein Amerika, dem – wie im Falle des Mannes – das Glück des Einzelnen alles ist, und die Not des Anderen nichts.

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