România Ciaociao

Thomas Huber
România Ciaociao
Monolog mit Supermann in 2 Akten
2 H, 1 Dek
Tibo bettelt Tag für Tag in einer deutschen Fußgängerzone, um die Mitgift für seine Verlobte Aniki zu verdienen, die zuhause in Rumänien auf seine Rückkehr wartet. Er beherrscht das ganze Panoptikum des menschlichen Elends, vom „Jungen, der sie nicht mehr alle hat und gehbehindert ist“, bis hin zur „Alten Frau, die den Himmel nicht mehr sieht“. Im Schaufenster eines „Saturn“ sieht Tibo immer wieder die Werbung einer deutschen Versicherung. Deren Superheld „Cob“ rettet in schlecht sitzendem Trikot unermüdlich Menschenleben. Meistens Kinder und alte Frauen. Zwischen den Werbeblöcken steigt „Cob“ aus dem Fernsehhimmel zu Tibo hernieder. Die beiden werden Freunde.

Eines Tages entdeckt Tibo in der Fußgängerzone seine Verlobte Aniki. Ein Knödelgesicht von Zuhälter in Tigerstretchleggings schleppt sie mit sich. Anikis Vater konnte wohl nicht mehr warten und hat sie nach Deutschland verkauft. Tibo macht sich auf die Suche nach ihr. Der einzige, der ihm dabei helfen kann, ist „Cob“. Unter dessen Trikot verbirgt sich in Wahrheit Stefan, ein versoffener, inzwischen arbeitsloser Schauspieler, dessen Superkräfte grade noch ausreichen, um ein Bier mit den Zähnen zu öffnen. Tibo findet ihn in einem Hochhaus zwischen Flaschen und Müll. Gemeinsam durchstreifen sie das Rotlichtviertel der Stadt. Auf der Suche nach Aniki.

„România Ciaociao“ von Thomas Huber erzählt von einem Deutschland aus der Perspektive der Straßenkids und Überlebenskünstler. Doch wer hier ein Rührstück erwartet, der ist schief gewickelt: „România Ciaociao“ ist eine bitter-skurrile Farce vom Rand der Fußgängerzone, eine abenteuerliche Irrfahrt durch das Dickicht unserer Städte sowie ein traumhaft poetisches Migranten-Märchen mitten aus dem fragilen Europa dieser Tage. Und es ist ein Stück über Mut, Freundschaft und den unbeugsamen Willen, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.


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