Politik und Grammatik

Eugène Labiche
Politik und Grammatik
(La grammaire)
Vaudeville-Komödie in einem Akt
Deutsch von Rainer Kohlmayer
1 D, 4 H, 1 Dek
In Politik und Grammatik ist das Ausrutschen der Hand weniger ein Versehen, das zur Katastrophe führt – vielmehr soll es die Katastrophe hier gerade noch abwenden: Dem Provinzpolitiker Caboussat stünde die ganz große Karriere offen, vielleicht sogar in der Hauptstadt, hätte er da nicht eine kleine und doch fatale Beeinträchtigung: eine Rechtschreibschwäche. Und so rutscht ihm die Hand immer dann aus, hinein in ein Messer, wenn er gezwungen ist, unter Zeugen zur Feder zu greifen – für den blutenden Vater muss dann die blitzgescheite Tochter schreiben. Das Arrangement gerät jedoch akut in Gefahr, als der Archäologe Poitrinas auftaucht. Denn der gräbt auf der Suche nach gallorömischen Fundstücken nicht nur Caboussats gesamten Garten um, sondern er will auch dessen Tochter als Ehefrau für seinen Sohn mit nach Hause nehmen…

Labiches Stück verbindet Politsatire, Rührstück, Wissenschaftssatire und Alptraumkomik. Der reife Labiche spielt auf allen Registern des bürgerlichen Verlach-Theaters, ohne den Boden der Realitätsnähe zu verlassen. Ein Stück, das langsam beginnt, immer verrückter wird und in einer Mischung aus Rührung und Wahnwitz endet.

Von dem Stück gab es bisher keine spielbare deutsche Version, vermutlich weil man die typisch französischen Rechtschreibschwierigkeiten für unübersetzbar hielt. Rainer Kohlmayer hat Caboussats „Schwäche“ geschickt ersetzt und so die spontane komische Wirkung des Originals zurückgewonnen. Das Stück enthält starke Rollen: der ambitionierte Provinzpolitiker, der obsessive Hobby-Archäologe, der gerissene Hausdiener, der alkoholisierte Viehdoktor – und nicht zuletzt die liebevoll manipulative Tochter, die sich und anderen aus der Klemme zu helfen weiß.


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