Ich träume an den Sorgen vorbei

Klaus Pohl
Ich träume an den Sorgen vorbei
16 Bilder
4 D, 2 H, Verw - Dek
Chantal ist anders. Chantal will mit ihrem Freund SiouX in den U-Bahnhöfen Berlins rumhängen, will Bilder sprayen und Nächte durchmachen, Chantal will tanzen und wild sein – Chantal will leben. Ihre Mutter Marta, alleinerziehende Migrantin aus Rumänien, die hart arbeitet für den Unterhalt, macht sich Sorgen: in der Schule verliert ihre Tochter den Anschluss, das Abitur ist in Gefahr, mit ihm Chantals gesamte Zukunft. Die Ärzte und Lehrer raten dringend zu dem Medikament Ritalin. Marta hadert mit der Entscheidung, doch am Ende siegt die Angst: sie willigt ein.

Mit dem Medikament öffnet sich jedoch die Büchse der Pandora, denn der Preis für die Funktionstüchtigkeit ist die Sucht. Während Marta immer mehr in Deutschland ankommt, sich in den Versicherungsangestellten Klaus verliebt und in sein Eigenheim zieht, droht sie den Kontakt zur Tochter zu verlieren. Chantal wird auf ein Internat geschickt, wo sie Disziplin und Struktur lernt und einen Plan entwirft für ihr Leben: das Studium der Medizin. In Marta keimt die Hoffnung, die Zukunft ihrer Tochter erstrahlt in neuem Glanz – sie ahnt nicht, dass es diese Zukunft nur unter einer Bedingung geben kann: es gibt sie nicht ohne Ritalin.

Ein Gespenst geht um in Europa: die „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ (ADHS). Noch streiten die Experten, ob die Störung psychisch ist oder eine Modekrankheit, erfunden von der Pharmaindustrie.„Ich träume an den Sorgen vorbei" von Klaus Pohl, das auf einer wahren Begebenheit beruht, weitet uns den Blick: es ist nicht nur ein Stück über ein Medikament und seine Wirkung, es ist eine eindringliche Geschichte über den Wunsch nach Zugehörigkeit in einem fremden Land, über den Durst nach intensivem Leben und dem Ausagieren eigener Phantasie – sowie über eine Gesellschaft der Härte und der Angst, in der sich dopen muss, wer mithalten will.

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