Jeeves & Wooster in Der höhere Blödsinn

P.G. Wodehouse
Jeeves & Wooster in Der höhere Blödsinn
(Jeeves & Wooster in Perfect Nonsense)
Bühnenfassung von Robert und David Goodale
Deutsch von Wolf Christian Schröder
3 H, Verw - Dek
Bertram „Bertie“ Wilberforce Wooster, Aristokrat, ausgebildet in Eton und Oxford, Mitglied eines der exklusivsten Clubs in London, dazu noch Junggeselle, könnte eigentlich die Verkörperung von Glanz und Gloria des gesamten Britischen Empires sein – wären da nicht seine notorische Zerstreutheit, die vielen durchfeierten Nächte im Drohnen-Club, der etwas – nun ja – exzentrische Kleidungsstil, sowie seine wohl bedeutsamste Eigenschaft: sich mit traumwandlerischer Sicherheit und gehörigem Dilettantismus in die absurdesten Situationen verwickeln zu lassen.

Nur gut, dass jeder Wooster seinen Jeeves hat. Jeeves, der „gentleman’s personal gentleman“, manche sagen „Butler“, ist das genaue Gegenteil seines Herren: formvollendet bis in die Haarspitzen, grenzenlos selbstlos, gedankenstark und reaktionsschnell. Still und heimlich korrigiert Jeeves die gröbsten Sünden in der Garderobe seines Herrn, zitiert Lady Macbeth, wo Bertie nicht einmal der Name Shakespeares einfällt, und manövriert ihn mit sanftem Geschick an all den tiefen Abgründen vorbei, die sich im Alltag eines Aristokraten, der mit aristokratischen Tugenden nicht gerade gesegnet ist, überall und jederzeit auftun.

Einer dieser Abgründe – der wohl tiefste gar – ist Tante Dahlia, die Bertie zwar Zugang zu den erlesensten Kreisen Londons verschafft, dafür jedoch mit einiger erpresserischer Energie die eine oder andere intrigante Gegenleistung ihres Zöglings erwartet. In „Der Höhere Blödsinn“ beauftragt sie ihren Neffen mit einem Raub – dem Raub eines silbernen Milchkännchens in Form einer Kuh. Dieses Milch-kännchen fehlt noch in der Kollektion seines silbersammelwütigen Onkels Tom, wurde diesem jedoch vor der Nase weggeschnappt – ausgerechnet von seinem größten Sammlerkonkurrenten, dem ehrwürdigen Richter Sir Watkyn Bassett.
An diesem Punkt aber werden die Dinge ziemlich heikel. Denn Sir Watkyn Bassett ist zugleich der Schwiegervater in spe von Berties altem, hauptsächlich an der Libido von Molchen interessiertem Kameraden Gussie Fink-Nottle. Die Ehe mit dem rührseligen Richtertöchterchen Madeline sollte möglichst zustande kommen – andernfalls muss Bertie laut alter Übereinkunft einspringen. Mindestens ebenso heikel jedoch ist die Gegenwart eines Titanen: Roderick Spode, Intimus des Richters, gut zwei Meter groß, vielleicht sogar drei, hat längst seinen bohrenden Blick auf Bertie geworfen...

„Wodehouse nicht zu lesen, das ist so, als würde man niemals Schokolade essen“, sagt Daniel Kehlmann. Tatsächlich sind die Geschichten um das ungleiche Paar Jeeves und Wooster in Großbritannien längst Kult: in den 90ern mit Stephen Fry und Hugh Laurie für das Fernsehen verfilmt, gewann die Bühnenadaption „Perfect Nonsense“ von Robert und David Goodale für ihre Produktion im Londoner West End 2014 den Olivier Award for Best New Comedy. „Perfect Nonsense“, in dem Jeeves und sein kongenialer Butlerkollege Seppings alle weiteren Rollen spielen, ist ein aberwitziges Spiel mit Bühne und Publikum, anarchisch und herrlich absurd – oder einfach: Der Höhere Blödsinn.


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