Der arme Cyrano

Pavel Kohout
Der arme Cyrano
(Chudák Cyrano)
Große Komödie in kleiner Fassung in zwei Teilen
Nach Edmond Rostand
Deutsch von Ludwig Fulda
2 D, 5 H, 1 Dek
Sein „Schicksalsstück“ nannte Kohout „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand. Obwohl ihm das romantisch-komödiantische Versdrama in der Kindheit die Welt des Theaters eröffnet hatte, trug Kohout mit diesem Text einen lebenslangen Konflikt aus. Als das belgische Raamtheater ihn 1981 bat, „Cyrano“ für das spielfreudige, achtköpfige Ensemble zu „verkleinern“, nahm er sich vor, „die Lauterkeit des Stückes von Rostand dadurch hervorzuheben, dass er es von allem, was billig und gefällig war, befreite.“ Weil die Theaterfassung, ganz im Sinne Rostands, mit minimalen Mitteln auskam, wurde sie „Der arme Cyrano!“ getauft.

Zentrum der Theaterfassung ist der tragische Irrtum von Roxane, die zu spät erkennt, „dass sie nicht das Gesicht des hübschen Christian liebt, sondern die Seele des langnasigen Raufbolds, der in die Rolle des Souffleurs verbannt worden war.“ In der Figur des verunstalteten Degenhelden, der unter falschem Namen Liebesbriefe schreibt, ohne je seine Rolle preiszugeben, spiegelte sich für Kohout auch eine Haltung, die einmal von ihm selbst Besitz ergriffen hatte: Nach seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband sei er immer wieder an jenen Ort der Verbannung zurückkehrt, dort aber weder bedient, noch gegrüßt worden. „Er war wie in einer Art Trance, in der er wieder einmal auf Cyranos trotzige Art versuchte, den Hochverrätern und Kleingläubigen zu beweisen, dass es ihn (und nicht nur ihn!), gab, hier, an dieser Stelle!“ Statt dieser Selbsttortur galt es, neu Position zu beziehen, um nicht, wie Cyrano, erst im Augenblick des Todes zu dem zu stehen, was der eigenen Überzeugung entspricht.


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