Arthurs Bolero

Pavel Kohout
Arthurs Bolero
(Arthurovo Bolero)
10 Episoden
Deutsch von Birgit und Rohde Krehl
5 D, 5 H, 1 Dek
Pavel Kohouts „Szenisches Dekameron“ folgt der Struktur von Arthurs Schnitzlers Episoden-Schauspiel „Der Reigen“. Zehn Szenen zeigen wechselnde Paare, die den Mechanismen von Verführung, Liebe und (Selbst-) Betrug folgen, musikalisch verbunden durch Maurice Ravels Bolero als ein sich immer neu variierender, an- und abschwellender Soundtrack des Liebens und Verlassens.

In diesem Staffellauf der Leiden und Leidenschaften begegnen sich Monika, die mit ihren beiden Firmenteilhabern Viktor und Robert ein Verhältnis hat und zudem versucht, einem Minister mit Körpereinsatz noch einen Bauzuschuss abzuluchsen; der untreue Minister, den seine Frau mit Champagner empfängt, um ihre lang ersehnte Schwangerschaft zu feiern, obwohl das Kind möglicherweise von ihrem Liebhaber stammt; der Liebhaber, der über die Vaterschaft in Panik gerät und zur Abtreibung drängt, um zuhause von seiner eigenen Frau zu erfahren, dass das Kind nicht von ihm ist; dessen Frau, die sich mit ihrem Vermögen ausgerechnet den Studienfreund ihres Sohnes als jugendlichen Liebhaber kauft, der wiederum in der schüchternen Ehefrau von Robert eine Geliebte ohne finanzielle Abhängigkeit sucht; Robert, der seiner Geliebten Anna, der Frau seines Firmenpartners Viktor, von dessen Schuldenberg, Spielsucht und Affäre erzählt – mit Anna und Viktor schließt sich der Kreis in einem surreal-poetischen, aber tragischen Bild gemeinsamen Scheiterns.

Arthur Schnitzler zeichnete mit seinem „Reigen“ das Bild einer moralischen Doppelbödigkeit der Gesellschaft des „fin de siècle“. Kohouts Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Moral folgt dem Kreislauf des Geldes – Machtstrukturen beginnen im Privaten und setzen sich in materiellen Abhängigkeiten fort – oder umgekehrt. Ehrgeiz, Machtanspruch und Gewinnstreben verbinden sich zu einem explosiven Gemisch mit Einsamkeit, Sehnsucht und emotionaler Bedürftigkeit.


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