Fair Play *

Thomas Middleton und William Rowley
Fair Play *
(A Faire Quarrell)
Stück in 11 Szenen
Deutsch von Christa Müller
7 D, 18 H (Doppelbesetzungen möglich), Verw - Dek

A FAIR QUARREL hatte aller Wahrscheinlichkeit nach im Jahre 1616 (dem Todesjahr Shakespeares) in London Premiere und war so erfolgreich, daß es 1617 gedruckt und, um eine komische Szene ergänzt, wiederaufgenommen wurde. Es hielt sich über viele Jahre bis zur Schließung der Theater durch die Puritaner auf den Spielplänen verschiedener Londoner Bühnen und wird bereits 1662 wieder erwähnt.
Um 1609 waren romantische Tragikomödien im Stil Beaumonts und Fletchers in Mode gekommen, deren Einfluss in den folgenden Jahren für Middleton bestimmend wurde. Als das gelungenste Stück dieser Periode darf wohl A FAIR QUARREL bezeichnet werden. Es vereinigt die realistischen und satirischen Elemente der frühen Bürgerkomödien mit der tragikomischen Ironie der neuen Form des Dramas und zeichnet sich durch eine auffallende, sehr modern anmutende Psychologisierung einiger Figuren aus.
Thema von A FAIR QUARREL ist die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Begriffen wie „Ehre“, „guter Ruf“ und „Ansehen“, und dieses Thema wird auf drei sehr unterschiedlichen Handlungsebenen vorgeführt, gespiegelt, variiert und parodiert.
Was das Stück auch auszeichnet, ist die Art und Weise, wie es Sprache vorführt: statt als Mittel der Verständigung zu dienen, schafft Sprache Mißverständnisse, dient der Verschleierung und Täuschung, oder sie löst sich auf in Bedeutungslosigkeit, wie in der Nonsense-Sprache der „Krawallierer“. Ihr kraftmeierndes und anzügliches Kauderwelsch ist nur das auffälligste Beispiel für den Widerspruch, der entsteht, wenn Sprache die Kommunikation nicht mehr fördert, sondern verhindert. Das gilt auch für das Medizinerlatein des Wunderarztes, das Pidginenglish der holländischen Amme, den Fachjargon der Duellierer und Ringkämpfer, wie die Vulgärsprache der Dirnen. Und die übrigen Figuren üben sich in der Kunst der Andeutungen, Spitzfindigkeiten und Wortklaubereien, um ihre wahren Absichten zu verschleiern. Die vorgeführten Unsitten im Umgang mit Sprache entsprechen der allgemeinen Auflösung dessen, was einmal „gute Sitte“ war.

Christa Müller


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