Bent

Martin Sherman
Bent
(Bent)
Stück in 2 Akten
Deutsch von Olaf Roth
12 H, Verw - Dek
Berlin, am Morgen nach dem „Röhm-Putsch“. Max, ein junger Schwuler, genießt die Freizügigkeit Berlins und träumt doch von einem besseren Leben. Irgendwann, so versichert er seinem Lebensgefährten Rudy, einem Tänzer, wird einer seiner Deals klappen und ihm wieder ein Leben im Wohlstand sichern. Als sich jedoch der junge Mann Wolf, den er nach einer durchzechten Nacht in einem Schwulenclub mit nach Hause genommen hat, als Freund Ernst Röhms entpuppt, nimmt sein Leben eine radikale Wendung. Die Gestapo betritt die Wohnung und erschießt Wolf; Max und Rudy können fliehen. Weder Rudys Arbeitgeber, der Transvestit Greta, noch Max’ ebenfalls schwuler Onkel Freddie können verhindern, dass die beiden schließlich verhaftet werden.

Während des Transports ins Konzentrationslager Dachau lernt Max den politischen Aktivisten und bekennenden Homosexuellen Horst kennen. Max muss seinem Freund Rudy, den die Wachen „aussortiert“ haben, den Todesstoß versetzen.

In Dachau intensiviert sich die Freundschaft zwischen Max und Horst. Max gesteht ihm, dass er in Anwesenheit von Aufsehern die Leiche eines jungen Mädchens geschändet hat, um nicht den Rosa Winkel, das KZ-Kennzeichen für Homosexuelle, tragen zu müssen. Obwohl er kein Jude ist, hat er einen gelben Stern erhalten und steht in der Hackordnung etwas höher.

Max sorgt dafür, dass Horst in seine Abteilung versetzt wird. Die beiden müssen sinnlos Steine hin und her schleppen. Zwischen Max und Horst entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Horst versucht, Max’ politisches Bewusstsein zu wecken. Als Horst jedoch im Zuge einer Strafaktion erkrankt und somit Schwäche zeigt, nimmt das Drama seinen Lauf. Horst wird von den Aufsehern gezwungen, seine Mütze von einem elektrisch geladenen Zaun zu holen und wird erschossen, als er sich weigert, dies zu tun. Max, der aufgrund seiner Fähigkeit, sich durchzulavieren, gute Überlebenschancen gehabt hätte, folgt wie in Trance Horst freiwillig in den Tod und geht auf den elektrisch geladenen Zaun zu.

In einer unsentimental knappen Sprache beschreibt Martin Sherman das Unaussprechliche. Bewusst vermeidet er jeglichen empathischen Beiklang. Die Gräuel des KZ, hier aus dem Blickwinkel einer von den Nazis verfolgten sexuellen Minderheit geschildert, werden nur punktuell in all ihrer Drastik gezeigt. Wesentlicher ist die Darstellung der seelischen Grausamkeiten, die zur Zerstörung eines Menschen führen, ihn schließlich brechen. Obwohl der Protagonist am Ende den Freitod wählt und über seine Peiniger triumphiert, entsteht das Bild eines gebrochenen („bent“) Helden. Das ungemein aufwühlende Stück ist zugleich ein unter die Haut gehendes Plädoyer für politische Verantwortung und einen überzeitlichen Humanismus.


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