Gently Down the Stream

Martin Sherman
Gently Down the Stream
(Gently Down the Stream)
Deutsch von Olaf Roth
3 H, 1 Dek
London, Anfang des zweiten Jahrtausends. BEAU, Pianospieler, Anfang 60, und RUFUS, Jurist, 28, haben sich über eine Internetbörse kennengelernt und eine Nacht miteinander verbracht. Was eigentlich nur ein Abenteuer zwischendurch sein sollte, wird schnell mehr: Rufus, ausgestattet mit einem überschwänglichen Temperament, ist ganz vernarrt in Beaus Alter, in seinen Erfahrungsschatz, vor allem in die Geschichten, die er von den 60er, 70er Jahren in den USA erzählen kann, Beaus eigentlicher Heimat. Beau erzählt von seinem Engagement als Pianist der Varieté-Sängerin Mabel Mercer, deren Songs von Schwulen getextet wurden, von seiner Beziehung mit James Baldwin, den Drogen, der Homophobie, der Mafia und seiner Flucht aus New Orleans. Am Ende bleibt Rufus einfach da, die beiden sind ein Paar.

Natürlich ist die Beziehung nicht ohne Risiken – der Altersunterschied ist immens. Vor allem Beau ist skeptisch, Rufus hingegen wischt alle Bedenken beiseite. Für den Moment bilden die beiden eine perfekte Symbiose: Beau, der leicht mürrische, sarkastische, aber sehr ausgeglichene ältere Mann, pendelt die energischen, bisweilen euphorischen, dann aber wieder in ihr Gegenteil abstürzenden, manisch-depressiven Anwandlungen seines Freundes aus. In einer Reihe von autobiographischen Videodrehs, zu denen Rufus ihn überredet, gibt er sein Innenleben preis. Die tiefe Skepsis gegenüber Langzeitbeziehungen zwischen homosexuellen Männern durchzieht wie ein roter Faden seinen Bericht von hoffnungsvollen Aufbrüchen und gescheiterten Love-Storys.
Vordergründig betrachtet, beleuchtet Martin Sherman in diesem Stück das Thema „Homosexualität“ nur aus der privaten Perspektive der Figuren.
Doch „Gently Down the Stream“ ist auch ein eminent politisches Stück. Die Figur des Beau steht kennzeichnend für den langen Weg der Schwulenbewegung zur gesellschaftlichen Anerkennung. Vieles, was für Rufus, der sich schließlich dem jüngeren Performance-Künstler Harry zuwendet, eine Selbstverständlichkeit ist, musste sich Beaus Generation mühsam erkämpfen.

Beau akzeptiert die neue Situation und wird sogar Trauzeuge des jungen Paares. Als Babysitter des wenige Wochen alten Babys, das die beiden jungen Männer adoptiert haben, wird er vollends in die ungewöhnliche Patchwork-Familie integriert. Am Ende fällt die Geschichte vom langen Kampf der Homosexuellen um gleiche Rechte zusammen mit ihrem historischen Erfolg.


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