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Pavel Kohout

90. Geburtstag

20. Juli 2018

Pavel Kohout hat vor drei Jahren sein dramatisches und belletristisches Gesamtwerk in den Verlag JUSSENHOVEN & FISCHER gegeben. Die übertragenen Rechte betreffen alle Länder außer Tschechien und der Slowakei und alle Sprachen außer der tschechischen und slowakischen.

Mit seinem ersten Welterfolg, dem Theaterstück SO EINE LIEBE, hat Pavel Kohout schon 1957 zu erkennen gegeben, was die unverwechselbare Substanz seines Handelns als Schriftsteller und seinen Impetus als Dramatiker ausmacht. Der immer neue Wechsel ideologiegesteuerter autoritärer Systeme, die er erlebte, und die geistig und wirtschaftlich davon geprägten Veränderungen für die menschliche Gemeinschaft – von totaler Prädestinierheit zu totaler Freiheit – sind unerschöpflich als Stoff für sein Verstehenwollen des Verhaltens von Menschen untereinander. "Wenn wir nicht imstande wären, die Eigenheiten unserer Mitmenschen zu verstehen, dann wären wir nichts als ein Haufen befestigter Wohnburgen", heißt es in SO EINE LIEBE. Und sein jüngstes Stück ROSSUM'S ROBOTER AG nach Karel Čapeks 1920 geschriebenem R.U.R. (Rossums Universal-Robots) zeigt, wie Robotern, um sie zu echten Menschen zu machen, eingeimpft wird, sie müssten jeden fremden Roboter, der nicht zum eigenen Areal gehört, bekämpfen und beseitigen.

Schon in KRIEG MIT DEN MOLCHEN nach Karel Čapeks gleichnamigem Roman hatte Kohout 1963 den Massenwahn einer verordneten political correctness ad absurdum geführt wie in seiner "crazy comedy" ZWEI GORILLAS GEGEN DIE MAFIA von 2001. Aber auch die uneingeschränkte Hemmungslosigkeit heutiger Berichterstattung über privates Fehlverhalten hat ihn beschäftigt in seinem Drama DIE ENTHÜLLUNG, 1996, als hätte es unkontrollierten Internet-Journalismus und das Phänomen ungebremsten Shitstorms auf Prominente bis in sämtliche öffentliche Medien hinein schon gegeben. Muss wirklich jede Information jedem zugänglich sein, und können wir die Wirkung von Informationen überhaupt noch einschätzen, billigen, kontrollieren? Die totale Wahrheit durch totale Information: auch wieder eine Art totalitäres System, alleinseligmachend und menschheitsbeglückend?

"Wie kann ein Mensch die Welt verbessern, wenn er nicht ein einziges der Schicksale verbessert hat, die er berührte?" schrieb Pavel Kohout zehn Tage nah dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in sein Heimatland unter dem Datum 23. August 1968 in sein "Tagebuch eines Konterrevolutionärs".

Die nachfolgend gelisteten dramatischen Texte von Pavel Kohout sind auf unserer Homepage (www.jussenhoven-fischer.de/autors) genannt, und ihre Synopsen sind jeweils unter ihrem Stücktitel zu lesen. Sie sind digital oder postalisch lieferbar, wie unter www.jussenhoven-fischer.de/kontakt angegeben.

So eine Liebe

Reise um die Erde in 80 Tagen
(Nach Jules Verne)

Der Krieg mit den Molchen
(Nach Karel Čapek)

Josef Schwejk oder Sie haben uns also den Ferdinand erschlagen
(Nach Jaroslav Hašek)

August August, August

Evol

Krieg im dritten Stock

Armer Mörder
(Nach Leonid N. Andrejew)

Pech unterm Dach

Brand im Souterrain

Roulette
(Nach Leonid N. Andrejew)

Amerika
(Nach Franz Kafka, zusammen mit Ivan Klíma)

Play Macbeth
(Nach William Shakespeare)

König Colas Breugnon oder Gott in Frankreich
(Nach Romain Rolland)

Attest

Der Revisor kommt
(Nach Nikolai Gogol)

Maria kämpft mit den Engeln

Morast

Der kleine August
(Für Kinder)

Der arme Cyrano!
(Nach Edmond Rostand)

Der Spieler
(Nach Fjodor Michailowitsch Dostojewski)

Das große Ahornbaumspiel
(Nach Mircea Eliade)

1984 - Der Alptraum
(Nach George Orwell)

Erinnerung an die Biskaya

Safari

Patt oder Spiel der Könige

Ecce Constantia!

Eine kleine Blutrache

Wir, Nibelungen
(Nach Friedrich Hebbel)

Geisterschlacht

Zyanid um Fünf
(Nach Tecia Werbowski)

Die Enthüllung

Die Nullen

Zwei Gorillas gegen die Mafia

Eros

Arthurs Bolero

Rossum's Roboter AG
(Nach Karel Čapek)

Seinem Roboterstück hat Pavel Kohout nun die Dramatisierung seines Romans Die Henkerin hinzugefügt, der im Jahre nach der Charta 77 in dreißig Ländern erschien und Ursache für die Ausbürgerung seiner Ahnen war.

Die Henkerin
(nach seinem gleichnamigen Roman)

Die gegenwärtigen Entwicklungen zur Stärkung autoritärer Strukturen von Ländern selbst innerhalb der Europäischen Union machen die Form der Bühnenparabel erneut aufregend. Denn es sind die demokratisch getarnten Sprachregelungen, von denen die Gefahr antidemokratischer Verblendung ausgeht.




Ein Jahr nach der Uraufführung am National Theatre hatte Nina Raines Stück CONSENT letzten Monat Premiere am Harold Pinter Theatre im Londoner West End. Mark Shenton, Kritiker der London Theatre News, findet, dass das Stück den Anspruch des West Ends hebt, indem es „das heutige Leben in all seiner brutalen Komplexität“ darstellt. „Der besondere Reiz an Raines Stück ist, dass es keinen eindeutigen Fall präsentiert, sondern durchgängig verschiedene Erklärungen anbietet.“

Auch Dominic Maxwell von der Times ist begeistert. „In weniger fähigen Händen wäre CONSENT einfach nur ein Stück zu einem heiß umstrittenen Thema. Nina Raine hat stattdessen ein unvergesslich komplexes, schwarzhumoriges und berührendes Stück voller Logik und Verständlichkeit geschaffen, das mit unbändigen Gefühlen in einer vertrackten Realität ausgefochten wird“, heißt es in der Kritik. „Sie hat in ihr unglaublich zeitgemäßes Stück so viel Lebensrealität gesteckt, wie man es im West End lange nicht mehr gesehen hat.“

David Benedict im Arts Desk: „Die Genauigkeit, mit der Raine schreibt, die lebendige Klarheit, mit der sie die Bedürfnisse (und die fehlende Selbsterkenntnis) ihrer Charaktere offenbart, führt dazu, dass das Publikum wie angewurzelt jedem Wort und, was entscheidend ist, jeder angespannten Stille lauscht.“

CONSENT läuft noch bis zum 11. August am Harold Pinter Theatre in London.


Als im letzten Jahr der Präsidentschaft von George W. Bush 2009 das Stück COMPLICIT von Joe Sutton am Londoner Old Vic uraufgeführt wurde, hätte man nicht geglaubt, dass acht Jahre später die Geschichte eines Journalisten, der um seine Existenz, seine Freiheit und sein Leben kämpfen muss, weil er undemokratische Praktiken seines Landes aufgedeckt hat, weltweit zum Repertoire öffentlicher Nachrichtensendungen gehören könnte. Weil der Journalist Benjamin Kitzer die Quelle im Pentagon nicht preisgeben will, die ihm den Beweis geliefert hat, dass aufgrund eines Regierungs-Memorandums das Waterboarding entgegen der Genfer Konvention nicht mehr als Folter einzustufen sei, zeigt man ihm nicht mehr nur die Instrumente. Gäbe er seine Quelle preis, hätte er seine Glaubwürdigkeit als Journalist verloren und damit seine Existenz. Tut er das nicht, wird er von der Staatsmacht als KOMPLIZE und Terrorverdächtiger eingestuft und damit seiner Freiheit beraubt. Dass sich Donald Trump im Wahlkampf ungeniert für die Beibehaltung des Waterboarding ausgesprochen hat, belegt, wie sehr sich die Szenerie zugunsten einer Geringschätzung der Pressefreiheit verändert hat. Und zwar selbst in der EU.

Am Zimmertheater Heidelberg erscheint das Stück in einer "ebenso konzentrierten wie feinfühligen Inszenierung" von Ute Richter aktueller denn je, wie Ingeborg Salomon in der Rhein Neckar Zeitung schreibt. KOMPLIZE sei "ein ernstes, aktuelles und brisantes Stück", findet auch Eckhard Britsch in seiner Kritik im Mannheimer Morgen. "Ein beklemmendes Psychodrama stetig wachsenden, gegenseitigen Misstrauens, in dem letztlich jeder allein bleiben muss."

Die nächste geplante Produktion von KOMPLIZE wird am 17.11.18 an der Badischen Landesbühne in Bruchsal Premiere haben.


David Mamet beschäftigt sich in DER BUSSFERTIGE mit einer Gewissenlosigkeit in der Instrumentalisierung von Recht und Gesetz und Medienöffentlichkeit für das reibungslose Funktionieren von Institutionen und ihrer Repräsentanten im Namen einer sogenannten Öffentlichen Meinung. Seine Titelfigur THE PENITENT ist ein Psychotherapeut, der sich dem Ansinnen verweigert, zugunsten eines Mörders, den er vor dessen Taten behandelt hat, als Zeuge der Verteidigung vor Gericht aufzutreten. Die Medien, die den Mord verkaufsfördernd ausgewalzt haben, bauschen seine Weigerung zum Skandal auf. Der Täter ist homosexuell. Die Medien werfen dem Therapeuten Homophobie vor. DER BUSSFERTIGE sucht Rat bei einem Rabbi und findet Halt in der Religion. Trotz verzweifelter Einreden seiner Frau und beschwörenden Abratens ihres befreundeten Anwalts folgt er dem Diktat seines Gewissens.

Die Deutschsprachige Erstaufführung wird am 30.09.18 am Staatstheater Wiesbaden stattfinden.


Sebastian Brauneis, der in der Theater- und auch in der Fernsehfilmbranche bekannte Autor und Regisseur, hat mit seinem ersten Spielfilm für das Kino, „Zauberer“, gleich einen steilen Start hingelegt.
Nach der erfolgreichen Premiere dieses Spielfilms am 24. Januar 2018 anlässlich des 39. Max Ophüls Preis-Filmfestivals in Saarbrücken wurde „Zauberer“ im März 2018 auf der Diagonale in Graz gezeigt, dem inzwischen jährlich veranstalteten Filmfestival, auf dem das aktuelle österreichische Filmschaffen in all seinen Genres vorgestellt wird. Der Spezialpreis der Jury des Thomas-Pluch-Drehbuchpreises vom 16. März 2018 ging an das Drehbuchautoren-Team Sebastian Brauneis, Clemens Setz und Nicholas Ofczarek. Deren Kurzgeschichte sei „konsequent und minutiös“ konstruiert und vom Regisseur Sebastian Brauneis kongenial adaptiert worden für sein furioses Kinodebut, mit einem Spielfilm, der überzeugt, weil „intensiv, bedrohlich, magisch in Handlung und Konstruktion“.


LINDA von Penelope Skinner hat am Manhattan Theatre Club in New York ähnliche Zustimmung gefunden wie am Royal Court in London. Mit ihrer Geschichte der erfolgreichen Managerin, die es geschafft hat, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, und dann daran scheitert, ihre persönliche Erfahrung zum Muster einer Marketingstrategie für Frauen um die 50 zu machen, hat Penelope Skinner offensichtlich einen Nerv getroffen. „Linda ist eine komplizierte Heldin, in der sich Frauen jeden Alters problemlos wiederfinden werden.“, konstatierte der Hollywood Reporter. „Bei all den wichtigen Aussagen, die Skinner mit dem Stück macht, bleibt es eine satirische Tour de Force und ein treffendes Drama.“, hieß es im Exeunt Magazine. Und die New York Times urteilte: „Man kann Skinner als fatalistische Feministin bezeichnen.“ Die Londoner Presse bestätigte vor allem die Publikumswirksamkeit. „Na ja, vielleicht ist die Gesellschaft ungeheuerlich sexistisch gegenüber älteren Frauen – genau das ist die These, die Skinner auf ihre mal lustige, mal berührende, mal unbehagliche, mal erfrischend komplexe Art und Weise in ihrem niemals langweilig werdenden Schauspiel untersucht.“, resümierte The Telegraph. Und The Guardian katalogisierte eindeutig: „Es ist ein mitreißendes Stück – stürmisch und lebendig.“


Zu den erneuten Erstveröffentlichungen einiger Einakter von Tennesse Williams gehört AIMEZ-VOUS IONESCO?, geschrieben 1975, uraufgeführt 2015 beim Tennessee Williams Theater Festival in Provincetown. Aus einem Treffen zum Tee zwischen zwei Damen wird in dieser kurzen Szene ein Fest von absurder Komik. Letztes Jahr wurde AIMEZ-VOUS IONESCO zusammen mit vier weiteren Einaktern von Tennessee Williams zum ersten Mal publiziert. In A RECLUSE AND HIS GUEST (geschrieben 1982 / uraufgeführt 2016) geht es um den Einsiedler Ott, dessen Leben durch die Fremde Nevrika auf den Kopf gestellt wird. In IVAN’S WIDOW (1982 / 2016) versucht ein Psychiater einer Frau dabei zu helfen, den Tod ihres Mannes zu akzeptieren. Zwei Familien kämpfen in ONCE IN A LIFETIME (1939 / 2011) mit der Reizüberflutung, die ihre Road Trips quer durch die USA mit sich bringen. Und in THE STRANGE PLAY (1939 / 2016) vergeht Isabels ganzes Leben an einem einzigen Tag, und John will eine neue Welt erschaffen, ähnlich wie Benjamin Murphy in TREPPE NACH OBEN, das Williams Anfang der 40er Jahre vollendet hat.

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