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CONSENT von Nina Raine, im April 2017 mit einhelligem Erfolg am National Theatre London uraufgeführt, kommt in Deutschland zuerst in Düsseldorf und in Kassel heraus. Die Deutschsprachige Erstaufführung am Düsseldorfer Schauspielhaus, Premiere 20. Januar 2018, inszeniert Lore Stefanek. Das Staatstheater Kassel folgt mit KONSENS, Deutsch von Michael Eberth, Regie Eva Lange, am 23. Januar 2018. „Mehr als nur KONSENS! Vielmehr herzliche Zustimmung!“, schrieb The Guardian: „KONSENS hat eine strahlende Zukunft vor sich. Mit ihm gelingt einer der größten Coups, den ein Stück landen kann: es bringt uns dazu, völlig neu zuzuhören. Fast mitzufühlen.“ Und die Variety fasste zusammen: „KONSENS ist voller Fragestellungen rund um Einwilligung – nicht nur sexueller, sondern auch persönlicher Art. Alles passiert hinter dem Rücken der anderen. Niemand hat je alle notwendigen Informationen. Und trotzdem urteilt jeder über jeden. Über das ganze Stück hinweg verbindet Raine rechtliche Verfahren mit dem Alltäglichen. Jeder ist zu jedem Zeitpunkt Interessent. Niemand bleibt unparteiisch. Die wahre Bravour von KONSENS liegt in der Struktur. Für alle Charaktere schließt sich der Kreis. Raines Plot dreht den Spieß um, sodass Betrüger betrogen werden und über Richter gerichtet wird. Heraus kommt ein eindringliches Plädoyer für Mitgefühl.“


LINDA von Penelope Skinner hat am Broadway ähnliche Zustimmung gefunden wie am Royal Court in London. Mit ihrer Geschichte der erfolgreichen Managerin, die es geschafft hat, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, und dann daran scheitert, ihre persönliche Erfahrung zum Muster einer Marketingstrategie für Frauen um die 50 zu machen, hat Penelope Skinner offensichtlich einen Nerv getroffen. „Linda ist eine komplizierte Heldin, in der sich Frauen jeden Alters problemlos wiederfinden werden.“, konstatierte der Hollywood Reporter. „Bei all den wichtigen Aussagen, die Skinner mit dem Stück macht, bleibt es eine satirische Tour de Force und ein treffendes Drama.“, hieß es im Exeunt Magazine. Und die New York Times urteilte: „Man kann Skinner als fatalistische Feministin bezeichnen.“ Die Londoner Presse bestätigte vor allem die Publikumswirksamkeit. „Na ja, vielleicht ist die Gesellschaft ungeheuerlich sexistisch gegenüber älteren Frauen – genau das ist die These, die Skinner auf ihre mal lustige, mal berührende, mal unbehagliche, mal erfrischend komplexe Art und Weise in ihrem niemals langweilig werdenden Schauspiel untersucht.“, resümierte The Telegraph. Und The Guardian katalogisierte eindeutig: „Es ist ein mitreißendes Stück – stürmisch und lebendig.“


Zu den erneuten Erstveröffentlichungen einiger Einakter von Tennesse Williams gehört AIMEZ-VOUS IONESCO?, geschrieben 1975, uraufgeführt 2015 beim Tennessee Williams Theater Festival in Provincetown. Aus einem Treffen zum Tee zwischen zwei Damen wird in dieser kurzen Szene ein Fest von absurder Komik. Letztes Jahr wurde AIMEZ-VOUS IONESCO zusammen mit vier weiteren Einaktern von Tennessee Williams zum ersten Mal publiziert. In A RECLUSE AND HIS GUEST (geschrieben 1982 / uraufgeführt 2016) geht es um den Einsiedler Ott, dessen Leben durch die Fremde Nevrika auf den Kopf gestellt wird. In IVAN’S WIDOW (1982 / 2016) versucht ein Psychiater einer Frau dabei zu helfen, den Tod ihres Mannes zu akzeptieren. Zwei Familien kämpfen in ONCE IN A LIFETIME (1939 / 2011) mit der Reizüberflutung, die ihre Road Trips quer durch die USA mit sich bringen. Und in THE STRANGE PLAY (1939 / 2016) vergeht Isabels ganzes Leben an einem einzigen Tag, und John will eine neue Welt erschaffen, ähnlich wie Benjamin Murphy in TREPPE NACH OBEN, das Williams Anfang der 40er Jahre vollendet hat.


Als Kevin Spacey im letzten Jahr der Präsidentschaft von George W. Bush 2009 das Stück COMPLICIT von Joe Sutton am Londoner Old Vic inszenierte, hätte man nicht geglaubt, dass acht Jahre später die Geschichte eines Journalisten, der um seine Existenz, seine Freiheit und sein Leben kämpfen muss, weil er undemokratische Praktiken seines Landes aufgedeckt hat, weltweit zum Repertoire öffentlicher Nachrichtensendungen gehören könnte. Weil der Journalist Benjamin Kitzer die Quelle im Pentagon nicht preisgeben will, die ihm den Beweis geliefert hat, dass aufgrund eines Regierungs-Memorandums das Waterboarding entgegen der Genfer Konvention nicht mehr als Folter einzustufen sei, zeigt man ihm nicht mehr nur die Instrumente. Gäbe er seine Quelle preis, hätte er seine Glaubwürdigkeit als Journalist verloren und damit seine Existenz. Tut er das nicht, wird er von der Staatsmacht als KOMPLIZE und Terrorverdächtiger eingestuft und damit seiner Freiheit beraubt. Dass sich Donald Trump im Wahlkampf ungeniert für die Beibehaltung des Waterboarding ausgesprochen hat, belegt, wie sehr sich die Szenerie zugunsten einer Geringschätzung der Pressefreiheit verändert hat. Und zwar selbst in der EU.


David Mamet beschäftigt sich in seinem neuen Stück mit einer Gewissenlosigkeit in der Instrumentalisierung von Recht und Gesetz und Medienöffentlichkeit für das reibungslose Funktionieren von Institutionen und ihrer Repräsentanten im Namen einer sogenannten Öffentlichen Meinung. Seine Titelfigur THE PENITENT ist ein Psychotherapeut, der sich dem Ansinnen verweigert, zugunsten eines Mörders, den er vor dessen Taten behandelt hat, als Zeuge der Verteidigung vor Gericht aufzutreten. Die Medien, die den Mord verkaufsfördernd ausgewalzt haben, bauschen seine Weigerung zum Skandal auf. Der Täter ist homosexuell. Die Medien werfen dem Therapeuten Homophobie vor. DER BUSSFERTIGE sucht Rat bei einem Rabbi und findet Halt in der Religion. Trotz verzweifelter Einreden seiner Frau und beschwörenden Abratens ihres befreundeten Anwalts folgt er dem Diktat seines Gewissens.


Eric Spiess, Grandseigneur der deutschen Bühnenverleger, unser Freund, ist am 15. November 2017 im Alter von 95 Jahren in seiner Heimatstadt Wiesbaden gestorben. Als er 1987 als Leiter des Bühnenvertriebs im Bärenreiter Verlag Kassel aufhörte, reichte er die Rechte von Bärenreiter Schauspiel an den von Krista Jussenhoven gegründeten Kölner Verlag Jussenhoven & Fischer, Theater & Medien, weiter. In Würdigung der Verdienste um die Vermittlung tschechischer Dramatiker wie Pavel Kohout und Ivan Klíma ans deutschsprachige Theater, fuhr der Tschechische Botschafter Tomáš Jan Podivínský zum 25. September 2017 von Berlin nach Wiesbaden, um Eric Spiess im Seniorenheim zu seinem 95. Geburtstag zu gratulieren.

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