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Von David Mamet gibt es zwei neue Stücke, die beide Michael Eberth übersetzt hat, der sie wie schon The Penitent (Der Bußfertige) in die Kategorie von Mamets „Moral Plays“ einordnet, in denen er sich mit der Frage beschäftigt, „ob die liberalen westlichen Gesellschaften mit ihrer Toleranz gegenüber Gesetzesbrechern und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber Anwälten, die dem Geld ihr Gewissen opfern, das Prinzip der Gerechtigkeit ad absurdum führen.“

The Christopher Boy’s Communion ist 2020 in Los Angeles uraufgeführt worden, der deutsche Titel lautet DIE MASKEN DES TEUFELS, weil die in Amerika geläufige Assoziation zum Namen des Heiligen Christopher, der den Jesusknaben über den Fluss trug, sich bei uns nicht einstellen würde. Aber es geht bei Mamet auch um die Wirkmächtigkeit von Religion und den Glauben als Werkzeug des Teufels.

HENRY JOHNSON kommt diesen Herbst, 2022, am Broadway zur Uraufführung mit William H. Macy und John Malkovich. Die Titelfigur ist Mamets Jedermann, an dem Mamet exemplarisch vorführt, „wie der Zerfall der Aura von Autoritäten dem Phänotyp des »Querdenkers« Auftrieb gibt, der die Ichschwachen, die sich nach Unterwerfung sehnen, in seine zynischen Kalkulationen einstrickt.“

Von Penelope Skinner gibt es ebenfalls zwei neue abendfüllende Stücke, die wie Linda (Düsseldorf, Zürich, Graz) und Meek (Lammfromm) von Katharina Pütter übersetzt wurden: DIE TRÜMMER DER ZIVILISATION (The Ruins of Civilisation) und FREUNDLICHE MONSTER (Friendly Monsters). Auch diese beiden Stücke zeigen eine Gemeinsamkeit, aber nicht wie bei Mamet in einem fast didaktischen Impetus zur gnadenlosen Lakonie, sondern in einem Miteinanderreden, das unsere gegenwärtigen Lebensumstände nur noch in einer Sprache der Uneigentlichkeit bewältigt. Dabei hat Skinner diese Art des Sprechens für jedes Stück wie neu erfunden.

Die neuen Komödien von Klaus Pohl träumen von ihrer endgültigen Perfektionierung des Textes erst im Spiel auf der Bühne. „Freigeist der Theaterlüfte“ hat Irene Bazinger ihn zu seinem 70. Geburtstag im März 2022 in der FAZ betitelt.

Pohls Komödie DAS COMEBACK DER LEBENSLUST hat den ältergewordenen Zirkus-Clown Otto zur Hauptfigur, der als Allein-Unterhalter staunt, worüber das Publikum heute nicht mehr lacht, und als Entertainer auch auf sämtliche postpandemischen Irrwitzigkeiten eingeht. Lebenslust ist für Klaus Pohl Theater: mit Poesie, Witz, Satire, tollen Geschichten.

Dem Älterwerden und seinen Heimtücken – „Ein schwer zu beherrschendes Mysterium“ – gewinnt Klaus Pohl auch in seiner Komödie DU NIEST ZU LAUT enorm viele komische Seiten ab.

Pohls Tollhauskomödie HÜBEN & DRÜBEN. DRUNTER & DRÜBER. – Mitarbeit Johann Nestroy, Arthur Schnitzler, Schopenhauer, Maupassant, E.T.A. Hoffmann – wird erst in der Uraufführung zum ersten Mal vervollständigt werden können. In der vorliegenden Form ist das Stück zu lang. Deshalb schließt es mit dem Ausruf von Tante Murr (!): „Fortsetzung folgt!“

DRUNTER UND DRÜBER ist für Charles Lewinsky in seiner gleichnamigen Komödie, mit der er höchstselbst erfolgreich immer neu in der Schweiz auf Tournee ist, auch Synonym für den gesellschaftlichen Stand von Menschen, dessen mutwilliges Vertauschen ins Tohuwabohu führen kann. Als sich Klara und Anton in einem Sanatorium treffen, wo man den ganzen Tag im Trainingsanzug herumläuft und dem anderen nicht ansieht, ob er Chef oder Angestellter ist, nutzen beide die Chance, sich als etwas anderes auszugeben, als sie in Wirklichkeit sind.

Sich als jemand anderen auszugeben, als man in Wirklichkeit ist, macht auch Charles Lewinskys neue Komödie OMATRICK aus, aber nicht wie erwartet. Die Oma, die im Pflegeheim finanziell ausgetrickst werden soll, und der Handlanger ihres Enkels, der das veranlasst, tricksen mit unübertrefflich gutem Gewissen doppelt erfolgreich zurück.


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